Ratgeber · 5 Min. Lesezeit
Spiele bei LRS für unterwegs: Lesen und Schreiben üben, ohne zu üben
Mündliche Sprachspiele trainieren bei LRS genau die Fähigkeiten, auf denen Lesen und Schreiben aufbauen – phonologische Bewusstheit, Wortschatz und Wortstruktur – und zwar ohne Blatt, ohne Korrektur und ohne Bewertungssituation.
Warum mündliche Spiele bei LRS wirken
Lesen und Schreiben bauen auf der phonologische Bewusstheit auf: der Fähigkeit, Sprache in ihre Bausteine zu zerlegen – Silben, Reime, Anlaute, einzelne Laute. Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche haben genau hier ihre Baustelle. Trainieren lässt sich diese Fähigkeit vollständig mündlich, denn sie hat mit Buchstaben zunächst gar nichts zu tun.
Der zweite Punkt ist psychologisch. Am Arbeitsblatt bleibt jeder Fehler sichtbar stehen, oft rot markiert. Im Spiel verschwindet er im nächsten Satz. Viele Kinder, die sich schriftlichem Üben verweigern, machen mündlich begeistert mit – dieselbe Aufgabe, anderer Rahmen.
Reime, Silben, Anlaute: die Grundlagen
Für Kinder in der Vorschule und den ersten beiden Schuljahren sind Reim- und Silbenspiele das wirksamste Training. Reimen schult das Erkennen von Wortenden, Silbenklatschen die Gliederung, Anlautspiele die Isolierung einzelner Laute. Fünf Minuten täglich reichen – im Auto, beim Zähneputzen, auf dem Weg zur Schule.
Wichtig ist die Haltung: nicht korrigieren, sondern die richtige Form beiläufig im eigenen Satz wiederholen. Ein Kind, das sich beim Spielen kontrolliert fühlt, hört auf zu spielen.
Ab der dritten Klasse: Wortstruktur statt Einzelwörter
Später verlagert sich die Arbeit auf die Struktur von Wörtern. Wortfamilien helfen bei der Ableitung (Wald – Wälder – waldig, deshalb mit ä), zusammengesetzte Wörter machen Wortgrenzen sichtbar, und Buchstabieren ohne Blatt trainiert die Speicherung von Wortbildern.
Genau diese Strategien stehen in jeder guten Lerntherapie im Mittelpunkt. Der Unterschied im Spiel ist nur: Es fühlt sich nicht danach an.
Grammatik und Satzbau ohne Grammatikheft
Auch Fälle, Zeitformen und Satzbau lassen sich mündlich üben. Kinder merken dabei nicht, dass sie gerade Deklination trainieren – sie merken, dass sie einen Fehler entdeckt haben, den Papa eingebaut hat. Der Perspektivwechsel vom Korrigierten zum Korrigierenden ist bei LRS besonders wertvoll.
Das Ziel dieser Spiele ist ausdrücklich nicht die Note. Es geht darum, die Freude an Sprache zu erhalten – denn ein Kind, das Sprache als Ort ständigen Scheiterns erlebt, meidet sie irgendwann ganz.
Was diese Spiele leisten – und was nicht
Spiele ersetzen keine Lerntherapie. Bei einer diagnostizierten LRS oder Legasthenie braucht es strukturierte, individuell abgestimmte Förderung mit einem klaren Strategieaufbau. Was Spiele leisten: Sie halten das Üben im Alltag präsent, stärken die Grundfähigkeiten und – am wichtigsten – bewahren die Freude an Sprache.
Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihrem Kind eine LRS vorliegt, hilft ein Gespräch mehr als ein weiteres Arbeitsblatt. Ein kostenfreies Erstgespräch ist bei Lernen einfach erleben jederzeit möglich.
Häufige Fragen
- Können Spiele bei LRS wirklich helfen?
- Sie trainieren die Grundlagen des Lesens und Schreibens – phonologische Bewusstheit, Wortschatz und Wortstruktur – und erhalten die Freude an Sprache. Eine diagnostizierte LRS braucht zusätzlich strukturierte Lerntherapie.
- Welche Spiele eignen sich für Erstklässler mit LRS?
- Reim-, Silben- und Anlautspiele: Reimrakete, Silben-Staffel und Geheimnis-Buchstabe. Sie kommen ohne Buchstaben aus und trainieren trotzdem die Lesevoraussetzungen.
- Soll ich mein Kind beim Spielen korrigieren?
- Nein. Wiederholen Sie die richtige Form beiläufig im eigenen Satz. Ein Kind, das sich kontrolliert fühlt, verliert die Lust – und damit den Lerneffekt.
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